Dienstag, 15. September 2009Resümee
Ja, wir sind gut in Berlin-Schönefeld gelandet, Gott sei es gedankt. Flug, Bus- und Bahnfahrt, Besichtigungen und Begegnungen verliefen reibungslos, dank hervorragender Reisebegleitung und entsprechender Vorbereitung. Für viele von uns wird es noch eine Zeit lang dauern, Eindrücke zu verarbeiten, Erkenntnisse einzuordnen, politisches und geistliches Wachstum festzustellen. Neben persönlichen Freundschaften, die neu gewonnen oder gefestigt wurden, ist es insbesondere auch die Gemeinschaft Gleichgesinnter, die einen besonderen Erfahrungsschatz bereithält.
Die Vorzüge unserer Reise bestanden darin, dass Kultur, Religiosität, Erlebnis mit Freundschaft und vielleicht sogar auch spirituellen Erfahrungen verbunden wurden. Wir haben uns gewissermaßen „auf den Weg gemacht“ und haben die „Weltkirche“ kennengelernt. Die unterschiedliche Ausrichtung der Kulturen anderer Völker bereichert uns selbst. In Jerusalem/Israel findet das Leben schlechthin statt. Wer etwas über die Wurzeln aller wichtigen Bereiche erfahren möchte, dem sei eine solche Erfahrung ans Herz gelegt. So sind wir derartig beeindruckt und wünschen uns und allen Lesern dieses Blogs: BaSchanah haBaah b'Jeruschalajim! Nächstes Jahr in Jerusalem! Sonntag, 13. September 2009Das Ende naht
FREIER VORMITTAG
Am letzten Vormittag bummelten wir in Kleingruppen noch einmal durch die Altstadt von Jerusalem; wir sind die 14 Stationen der Via Dolorosa entlanggegangen und haben uns anschließend das arabische Viertel angeschaut. Eine der Gruppen hatte die Möglichkeit, auf dem Ölberg eine Beerdigung orthodoxer Juden in ihren besonderen Gewändern, mit ihren Hüten und Locken teilweise mit zu verfolgen. ![]() Nach der rituellen Waschung wird ja der Leichnam eines Juden in eine ganz einfache, ungehobelte Holzkiste gelegt. "Vor Gott sind alle gleich, jeder Mensch ist aus Staub und wird wieder zu Staub, ein schlichter Holzsarg genügt, mehr braucht er auf seinem allerletzten Weg nicht" (Paul Spiegel). In Israel begnügt man sich in den meisten Todesfällen gar mit einem großen Tuch, in das der Tote gehüllt und mit ihm in die Erde herabgelassen wird. Da das Land Israel als heilig gilt, sieht man auch die Erde dieses Landes als heilig, das heißt zu Gott gehörig, an. Eine Feuerbestattung ist für die Juden verboten. Man denkt bei den Juden nicht nur an eine Auferstehung der Seele, sondern auch des Leibes, der so weit wie möglich für diesen endzeitlichen Auferstehungsakt intakt bleiben soll. Außerplanmäßig besuchten wir dann nach dem Mittagessen die Universitätsklinik im westlichen Außenbezirk von Jerusalem, um die weltberühmten Chagall-Fenster zu bewundern. Die zwölf Fenster wurden von Marc Chagall für die Synagoge des Hadassah Klinikums in Jerusalem gestaltet, die am 6. Februar 1962 eingeweiht wurde. Diese Fenster symbolisieren die zwölf Söhne Jakobs, welche die zwölf Stämme Israels bildeten. Die Böden und die Innenwände der Synagoge sind aus Jerusalemer Stein, und die Synagoge wird erleuchtet von Lüstern und dem Sonnenlicht, das durch die Fenster einströmt. (Selten hat ein Künstler es so vermocht wie Marc Chagall, die Sonne durch die Brechung von Glas zum frabigen Leuchten zu bringen. Dieses Leuchten muss man an Ort und Stelle sehen, man kann es durch keine noch so gelungene Aufnahme gleichsam einfangen!) Die Ebene der Synagoge, von der aus die Gebete geleitet werden, ist tiefer gelegen als die Ebene mit den Bänken für die anwesenden Gottesdienstbesucher. Damit soll sinnenfältig das zum Ausdruck kommen, was in den ersten Worten des 130. Psalms so lautet: "Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir!" (Psalm 130,1). (Ist nicht das Gebet aus der Tiefe das einzige, das dem erhabenen und barmherzigen Gott angemessen ist?) Pastor Weber verlas in einer dem Besuch der Chagall- Fenster vorangehenden Andacht die Segens- und Gerichtsworte des sterbenden Erzvaters Jakob an seine zwölf Söhne (1. Mose 49, 1-28). P.Weber stellte die Verheißungen an die Söhne Juda und Josef als die auch für uns Christen wichtigsten heraus. Die Verheißung für JUDA spricht von einem aus diesem Stamm kommenden heldenhaften König, dem "die Völker anhangen" werden (1.Mose 49,10). In diesem endzeitlichen Herrscher kann man Jesus als den messianischen König entdecken. In JOSEF haben viele der Kirchenväter der ersten Christenheit Jesus Christus prophetisch vorgebildet entdeckt, in seiner Erniedrigung und Erhöhung, in seiner Verlassenheit von seinen Brüdern und schließlichen Versöhnung mit ihnen, in seinem Ausgeliefertsein in die Sphäre des Todes und seiner Befreiung davon, schließlich in seiner Erhebung zum Vizekönig an der Seite des Pharao, vergleichbar der Erhebung Jesu zur Mitregentschaft mit dem Vater nach seiner Himmelfahrt ("sitzend zur Rechten Gottes..."). Das Bild zeigt den Stamm Joseph (gold-gelb), dessen Segen lautet "Joseph wird wachsen wie ein Baum an der Quelle, das die Zweige emporsteigen über die Mauern" ![]() Zum Schluss des Tages ging es in das an der Autobahn Tel Aviv-Jerusalem oberhalb von Latroun gelegene Dorf Les Shalon; es wurde von jüdischen und arabischen Staatsbürgern Israels gemeinsam aufgebaut. Sie zeigen in dem Gemeinschaftskibbuz "Neve Shalom", dass Juden und Palästinenser in guter Nachbarschaft friedlich zusammen leben können. Sie setzen sich miteinander für Gleichberechtigung und Verständigung zwischen beiden Völkern ein. Am Abend des Tages dankte die Gruppe Dr. Weber für seinen tollen Einsatz, insbesondere für theologische Interpretationen des Verhältnisses zwischen Juden und Christen, die punktuellen Gottesdienste an den Stätten unserer christlichen Vergangenheit, sowie seinen persönlichen Einsatz bei der Betreuung von Teilnehmern. Wir hoffen, dass er sich über das gemeinsame Geschenk, nämlich eine grüne Stola mit dem Jerusalem-Kreuz, gefreut hat. ![]() Über unsere Rückreise informieren wir morgen, ergänzt um ein Fazit des Israel-Besuches. Samstag, 12. September 2009Ölberg, Bethlehem, Gemeinschaftsschule Talitha Kumi
Wir stehen vor dem vorletzten Tag unserer Rundreise durch Israel und Palästina. Das Programm ist gewaltig: Die Fahrt wird uns zum ÖLBERG und anschließend nach Bethlehem führen. Wir werden also die wichigsten Heiligtümer der Christenheit besuchen.... neben der Grabeskirche.
- ![]() Der Bus setzt uns zunächst vor dern PATER-NOSTER-KIRCHE (Vaterunser-Kirche) ab. Sie befindet sich auf dem Ölberg an der Stelle, an der Jesus Christus seine Jünger das Vaterunser-Gebet gelehrt haben soll und verschafft uns bereits zum Anfang einen herrlichen Ausblick auf die Altstadt Jerusalems. An den Wänden der Vorhalle und des Kreuzganges sind Majolikaplatten mit dem Text des Vaterunsers in über 80 Sprachen angebracht; den deutschen Text findet man im südlichen Kreuzgang.... Überraschend für uns: auch plattdeutsch ![]() und in einer Version für Helgoland kann das Vaterunser gebetet werden. Wir gehen die Jericho-Straße zur DOMINUS- FLEVIT-Kirche, d. h. „Der Herr weinte“. Hier vergoss Jesus Tränen, weil er die Zerstörung der Stadt vorhersah (Luks 19, 41-44). Bereits im 5. Jahrhundert stand hier eine Kapelle. ![]() Rechts lassen wir dann die prunkvolle, russische Kapelle St. Maria Magdalena liegen (ohne Besichtigung), um zum GARTEN GETHSEMANE zu kommen, wo Jesus von Judas verraten wurde. Wir betreten ein ehrwürdiges Stück Land, in dem unser Herr Jesus auf seinem Leidensweg darum gerungen hat, den Willen des Vaters hinsichtlich seines Geschicks deutlich zu erkennen und auch zu befolgen. Die acht uralten Olivenbäume, die hier stehen, gelten als direkte Nachkömmlinge der Bäume, die zur Zeit Jesu hier standen. (Olivenbäume können zweitausend bis dreitausend Jahre alt werden. Da aber die Römer zur Zeit der Belagerung Jerusalems im Jahre 70 n.Chr. alle Bäume in der Umgebung Jerusalems abgeholzt haben, könnten die jetzigen Olvenbäume aus den Wurzeln der Bäume neu ausgeschlagen haben, die zur Zeit Jesu da standen.) ![]() Nach Matthäus 26,36-46 hat Jesus von Nazareth an dieser Stelle im Bewusstsein des Bevorstehenden gebetet, bevor er von Judas Ischariot verraten wurde. Angrenzend an den Garten Gethsemane wurde unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg zwischen 1919 bis 1924 mit Geldern aus zahlreichen Ländern eine Kirche erbaut. Daher rührt auch der Name KIRCHE DER NATIONEN. Das Wappen jedes der beteiligten Länder ist in einer eigenen Sektion an der Decke der Kirche zu finden. ![]() Weiter auf der Jericho Straße gelangen wir zum MARIENGRAB und zur Verratsgrotte. Die griechisch-orthodoxe Kirche am Mariengrab wurde zuerst im 5. Jahrhundert über einer Grabstätte errichtet, die als das Grab von Maria, der Mutter Jesu gilt, in dem sie einige Tage bis zu ihrer Himmelfahrt gelegen habe soll. (Wenn aber Maria, wie es gut bezeugt ist, nach Jesu Tod und Auferstehung mit dem Jünger Johannes in Ephesus gelebt haben sollte, ist es dann wahrscheinlich, dass sie von Kleinasien zur Beerdigung nach Jerusalem überführt wurde? Wie dem auch sei, an diesem Ort wird seits Alters der Maria gedacht.) Zudem werden dort die Gräber ihrer Eltern Joachim und Anna und ihres Mannes Josef gezeigt. Neben dieser Kirche befindet sich die Verrats-Grotte der Katholiken, in der die Festnahme Jesu geschehen sein soll. Mit Bus und zu Fuß ging es den Palmsonntagsweg hinunter, der durchs KIDRON-TAL bis zum Löwentor führt. Ein Teil des dem Ölberg gegenüberliegenden Berges jenseits der Stadtmauer des alten Jerusalem wird seit alter Zeit als FRIEDHOF genutzt. So gibt es aber auch einen christlichen Teil, einen katholischen Friedhof, auf dem Oskar SCHINDLER beigesetzt ist, der 1200 Juden gerettet hat. Sein Grab haben wir ebenfalls besucht. ![]() Danach fuhren wir über die Grenze nach BETHLEHEM, das ja bekanntlich unter palästinensischer Verwaltung steht. Wir wurden angesichts der meterhohen Grenzmauer mit der politischen Realität konfrontiert. Eine Abwehr terroristischer Anschläge ist sicher berechtigt. Kann aber eine Mauer Frieden bringen, wenn letztlich nur wechselseitiges Verständnis, Kompromissbereitschaft und Bereitschaft zur Versöhnung langfristig zum Frieden führen können? Warum haben Palästinenser deutlich längere Wartezeiten an dieser Grenze als Juden? Warum wird durch ein unverständliches Mauersystem die Kommunikation von palästinensischen Familien, die gar nicht weit voneinander wohnen, unendlich erschwert? In glühender Mittagshitze kamen wir in der Geburtsstadt Jesu an. Man erreicht die Geburtskirche ![]() über Stufengänge von der Nord- und Südseite sowie die Geburtshöhle, die sich in einem rechteckigen, nachträglich erweiterten und ausgebauten Raum befindet. Die Stelle, an der Jesu geboren sein soll, ist heute durch einen silbernen Stern markiert. Dieser Stern hat vierzehn Ecken, gemäß den je vierzehn Generationen von Abraham bis David, von David bis zur babylonischen Gefangenschaft sowie von der babylonischen Gefangenschaft bis Jesus Christus (Mt 1,1-17). ![]() Originell ist die verkleinerte, 1,20 m hohe Pforte zur Geburtskirche, die man nur in gebückter Haltung betreten kann. Sie wird daher auch "Demutspforte" genannt. Damit sich auch unsere Reisegruppe auf den Weg der Demut begibt bzw. auf ihm fortschreitet, haben wir neben der Demutspforte ein Gruppenfoto machen lassen. Zugleich haben wir fasziniert beobachtet, wie Pilgerinnen, offenbar einer nichtprotestantischen Glaubenstradition zugehörig, die Kirche an diesem Eingang hingebungsvoll küssten. ![]() ![]() Die GEBURTSKIRCHE ist auch in vielfältiger Weise geschichtlich interessant. Bereits zur Zeit des Origenes (248 n. Chr.) ist Bethlehem wahrscheinlich zu einem Wallfahrtsort geworden, an dem eine Höhle, in der Jesus geboren sei, und eine Krippe, in die er gelegt worden sei, gezeigt wurde. - Herausragend ist, dass Kirchenvater Hieronymus von 386 bis zu seinem Tod 420 in Bethlehem lebte, wo er nicht nur die Vulgata, die lateinische Übersetzung der Bibel, schuf, sondern auch mit der aus dem Patriziertum stammenden Paula – die seine finanzielle FÖRDERIN war - mehrere Klöster, Pilgerherbergen und eine Schule gründete. Er wurde in der Grotte bestattet, aber später nach Italien überführt. In der katholischen Kirche St. Katharinen (verbunden mit der Geburtskirche) sangen wir – zusammen mit Pilgern aus Sachsen-Anhalt– das Weihnachtslied „Oh du fröhliche...“ ![]() Wir wurden daran erinnert, dass alle Feste der Christenheit, also auch Weihnachten, jeden Tag gültig sind, dass wir sie nur deshalb an verschiedenen Tagen feiern, weil man nicht zu einem einzigen Zeitpunkt die Fülle aller biblischen Heilsereignisse gleichzeitig ausführlich bedenken und begehen kann. Schließlich machten wir einen Abstecher zu dem 3 km südöstlich von Bethlehem gelegenen Dorf Beith Sahur. Hier, so meint man, sei das HIRTENFELD gewesen, auf dem die Engel den verachteten Hirten als ersten die Weihnachtsbotschaft verkündigten. Hier hörten wir neu die Weihnachtsgeschichte nach Lukas 2. ![]() An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass wir an allen geschilderten Stellen Bibellesungen und ortsbezogene Lieder (Lieder für Weihnachten, Passion, Ostern und Pfingsten) gesungen haben. In der Engelskapelle des italienischen Architekten Barluzzi (1953/1954) sangen wir, direkt von Bethlehem kommend, das schöne, aus England stammende Weihnachtslied "O Bethlehem, du kleine Stadt", EG 55. Die lieblichen Gemälde in dieser Kirche sprechen alle Kleinen und diejenigen Großen an, die sich noch ein kindliches Herz bewahrt haben. Zum Schluß besuchten wir die TALITHA-KUMI-Schule in Bethlehem. Der Name der Schule geht zurück auf ein Wort Jesu, das er zu einem gestorbenen Mädchen sprach: „Mädchen, steh auf“ (Markus 5,41). Wir wurden- bei Kaffee und Kuchen – zu einer lebhaften Vortrags- und Diskussionsrunde eingeladen. Der Verwaltungsleiter der Schule Maurice erklärte uns, dass die Schule Schülerinnen und Schüler so vorbereiten will, dass sie guten Mutes, selbstbewusst und zuversichtlich in das Leben hinausgehen können. Sie sollen neben dem akademischen Wissen aber auch in der Lage sein, die in der Schule praktizierten Werte im späteren Leben zu vertreten, sich in einer schwierigen Welt zurechtzufinden und sich immer als Teil einer Gemeinschaft zu verstehen. Uns wurde die Schulform und die praktische Anwendung erklärt: Im integrierten Kindergarten werden 120 Kinder in vier Gruppen betreut. Die vier Hauptlehrer werden von sieben Hilfskräften unterstützt. Die Schüler kommen aus den verschiedensten sozialen Gruppen. Das Verhältnis Jungen zu Mädchen ist in etwa ausgeglichen. Etwa 30% der Schüler sind Moslems. An Talitha Kumi werden durch 52 Lehrer ungefähr 850 Schüler vom Kindergarten bis zur zwölften Klasse nach dem palästinensischen Lehrplan unterrichtet. ![]() Nach Abschluss der zwölften Klasse können die Schüler das Tauwjihi (palästinensisches Abitur) machen, womit sie sich für das Studium an der Universität qualifizieren. Das Studium im College baut auf den berufsbildenden Zweig der Schule (Klassen 11 und 12) auf, d. h. es bietet bereits in dieser Stufe Unterricht in beruflichen Fächern an. Als Wahlfächer werden Religion, Sport, Musik und Kunst angeboten. Talitha Kumi widmet sich besonders den Aufgabenfeldern Wirtschaft (insbesonders Tourismus) und Verwaltung. Hier sind die Berufschancen für die jungen Palästinenser gut. Talitha Kumi leistet einen Beitrag zum Frieden, indem die Einrichtung den Jugendlichen dabei hilft, denselben komplexen Sachverhalt sowohl aus palästinensicher wie auch jüdischer Sicht zu sehen und so befähigt zu werden, lagerübergreifend zu denken. Freitag, 11. September 2009Yad Vashem
Am 8. Tag unsere Pilgerreise besuchte unsere Gruppe die Holocaust Gedenkstätte YAD VASHEM, die wohl kaum ein Besucher auslässt und die das dunkelste Kapitel Deutscher Geschichte beschreibt.
![]() Abweichend von der normalen Strecke besuchten wir zunächst das Children`s Memorial. Dies ist ein Ort, wo mit Namensaufzählungen von ermordeten Kindern und mit unzählig reflektierten Kerzen der vernichteten Kinder (1 Million) gedacht wird. ![]() Der weitere Rundgang durch die Gedenkstätte führte zum MUSEUM. Es läuft eine Route im „Zickzack-Kurs“ mit Hindernissen: Immer wieder versperren Videopräsentationen, Bücherstapel oder Pferdewagen den Weg und zwingen den Besucher, in die angrenzenden Räume abzuzweigen. In ihnen wird die Leidensgeschichte der Juden chronologisch, geografisch und thematisch dargestellt: von der Entstehung der Nazi-Diktatur bis hin zum Krieg, der systematischen Vernichtung des jüdischen Volkes, seinem Leben im Ghetto und in den Lagern, den Anfängen des Widerstands bis hin zur Befreiung. ![]() Eindrucksvoll wurde auch der Ghetto-Opfer in Warschau gedacht. Auch die Geschichte des ANTISEMITISMUS SEITENS DER KIRCHEN wird in dem Museum beleuchtet. Dieser Antisemitismus der Kirchen ist kein Ruhmesblatt für sie. Glücklicherweise hat es nach dem Holocaust eine Neubesinnung der Kirchen in ihrem Verhältnis zum Judentum gegeben. Das II. Vatikanische Konzil hat in seiner Erklärung "Nostra Aetate" vom 28.10.1965 eine Neueinschätzung des Judentums erbracht. Darin wird die jüdische Kollektivschuld am Tod Jesu zurückgewiesen, der Bund Gottes mit Israel trotz der Ablehnung Jesu als bleibend postuliert und die auch von Christen geteilte Erwartung einer zukünftigen universalen Anerkennung der ersten der Zehn Gebote ausgesprochen. Diese Erklärung markiert eine grundlegende Verbesserung der Beziehung von Juden und Christen aus kirchlicher Sicht. Auch die Ev. Kirchentage und die Katholikentage in Deutschland haben sich sehr um das Verhältnis der Christen zu den Juden verdient gemacht. Schließlich besuchten wir in Yad Vashem das „ZELT DER ERINNERUNG“, bekannt durch Besuch von Politikern und sonstigen Prominenten. In der großen Halle dieses Gebäudes werden die Konzentrationslager genannt und brennt ein "ewiges Feuer". ![]() Unsere Reiseleiterin führte uns in ein Labyrinth aus haushohen Steinen. Dort sind alle vernichteten jüdischen Gemeinden in der Welt genannt. ![]() Auch ein Gang durch die „STRASSE DER GERECHTEN“ durfte nicht fehlen. "Gerechte der Völker" sind solche Menschen, die einen oder mehrere Juden vor der Vernichtung bewahrt, oft unter großen Risiken für sich selbst versteckt und so gerettet haben. Dort besuchten wir auch den Baum von Oskar und Emilie SCHINDLER, bekannt aus dem Film "Schindlers Liste". Erschütterung, Trauer und Hilflosigkeit sind nur unvollständige Ausdrücke unserer emotionalen Empfindungen. Anschließend fuhren wir nach YAD HASMONA. Hier hatten wir ein Gespräch mit einem Messianischen Juden namens Gershon, der uns über die Gründe seiner Konvertierung im Jahr 1973 berichtete. Er hat in Jersualem über die Geschichte der Messianischen Juden promoviert. ![]() Er schätzt, dass es in Israel etwa 100 000 "Messianische Juden" gibt, die er, wegen des missverständlichen Ausdruckes, lieber Jeshua- Juden nennen würde. Denn jeder Jude sollte eigentlich den Messias erwarten und also in diesem Sinne ein "messianischer Jude" sein. Aber diejenigen Juden, die in Jesus den schon gekommenen Messias erkennen, werden, so der Vorschlag, besser Jeshua- Juden genannt. Diese Jeshua- Juden wollen nicht mehr und besser sein als andere Christen, aber bei all ihrem Glauben an Jesus als den Messias doch einiges Jüdische bewahren, etwa die Feier des Sabbat, die Beschneidung als Zeichen des Bundes mit Israel etc. Sie wollen sich nicht in das Korsett vorhandener christlichen Konfessionen pressen lassen, sondern ihren eigenen Weg suchen und finden. Die Anlage Yad Hashmona liegt in einer geschmackvoll angelegten Gartenanlage mit Terrassen und einem schönen Blick auf die umliegenden Berge. ![]() Zum Abschluss besuchten wir die Kreuzfahrerkirche von ABU GOSH . Sie ist eine von drei möglichen Orten, an denen sich Emmaus befunden haben könnte. In der Kirche hielt Pastor Weber eine Kurzandacht. Wir hörten erneut die Geschichte der Emmausjünger und sangen ein Osterlied. Anschließend führten wir eine Besichtigung des Gebäudes und der Krypta durch. In der Krypta befindet sich eine Quelle. Donnerstag, 10. September 2009Grabeskirche, Felsendom, Jerusalemer Altstadt
Die Predigt, die Pastor i.R. Dr. Albrecht Weber dort hielt, können Sie hier nachlesen. Im Refektorium erzählte uns Propst Dr. Gräbe, der aus der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg stammt, einiges zur Geschichte der ev. Gemeinden in Jerusalem, dem Netzwerk von Kirchen, Gemeinden und Institutionen und zum Verhältnis zu anderen Konfessionen und Religionen. Die Gemeinde der Erlöserkirche hat etwa 200 feste Mitglieder, aber jährlich Kontakt mit über 40 000 Touristen. Damit hat sie eine außergewöhnliche missionarische Aufgabe und Chance zugleich. Da die Auslandsgemeinden finanziell immer weniger von der EKD unterstützt werden, müsssen die Verantwortlichen der Erlöserkirchengemeinde für ihre laufenden Ausgaben einen hohen Geldbetrag bei ihren Mitgliedern und Freunden einwerben. Mittwoch, 9. September 2009Marathonlauf zum Berg Horeb
Heute wollen wir vom TAG DER ABSOLUTEN HÖHEPUNKTE berichten.
Es fing mit den Vorbereitungen für den Aufstieg auf den Berg der Zehn Gebote an, die im wesentlichen darin bestanden, dass wir nach einem opulenten Mahl allesamt gegen 21.00 Uhr ins Bett geschickt wurden, insbesondere, weil der Weckdienst Order hatte, uns um 0.30 Uhr zu wecken, damit der Bus gegen 01.00 (in der Frühe) unsere Pilgergruppe zum Parkplatz des Katharinenklosters fahren konnte. Zuverlässig, wie wir Deutschen in Ägypten angesehen werden, ging es tatsächlich zur nachtschlafenden Zeit los (drei Teilnehmer unserer Gruppe hatten der zu erwartenden "Tortur" widerstanden und sich für einen Schon-Vormittag entschieden). Überrascht waren wir von der Menge der Touristen, die den Aufstieg auf den Horeb wagen wollten, um die aufgehende Sonne zu begrüßen. Gegen ein Uhr startete unsere Gruppe guten Mutes vor dem Katharinenkloster. Eine erstaunliche Menge an Reit-Kamelen wartete mit ihren Führern auf zahlende Reiter, die den zu erwartenden Strapazen entgehen wollten. Der Ruf "Camel, Camel" schallte laut durch die Nacht und war bis zum Gipfel unser ständiger Begleiter. ![]() Für uns war das selbstverständlich tabu, denn wir wollten – am "brennenden Busch" vorbei – auf den Spuren Moses wandeln. Bei herrlichem Mondschein (fast noch Vollmond) begleitete uns eine fantastische Felsenlandschaft mit bizarren Skulpturen mehrere Stunden lang. Diese Felsen fanden sich leider auch auf unserer Aufstiegsstrecke und machten die Horeb-Besteigung zu einer alpinen Disziplin. Der Weg wand sich in weitschweifigen Serpentinen, wurde unvorhergesehen schmal und war mit hohen Hindernissen bestückt. Einige "Kletterer" strauchelten oder stürzten, ohne sich (glücklicherweise) schwerwiegend zu verletzen. Es blieb bei der Verstauchung eines Handgelenks mit einem Riss. Der Arm musste später (in einem palästinensischen Krankenhaus in Jerusalem) durch den Nachtdienst geschient werden. Drei Teilnehmer unserer Gruppe "stiegen nach rund halber Aufstiegsstrecke aus", um sich vor weiteren Berg-Gefahren zu schützen; sie warteten auf uns in einer bewirteten Hütte, um mit den Rückkehrern gemeinsam abzusteigen. Nach zweistündigem Aufstieg – wir wähnten uns fast schon am Ziel -überraschte der Fremdenführer mit der Mitteilung, dass nunmehr eine Strecke von 750 Stufen vor uns liegen würde. Nun begann der erste Höhepunkt des Tages, nämlich die bergsteigerische Vorhölle: In einer fast senkrechten Treppenwand ging es dem Gipfel entgegen, noch einmal weitere 1 ½ Stunden lang. Unterbrochen wurde dieser Anstieg von vielen Pausen der Erschöpften, die, infolge der dünnen Luft, Kreislaufbeschwerden, Atemschwierigkeiten und Schwindelgefühle hatten und häufig die Hilfe der, den Abgrund sichernden, Beduinen in Anspruch nehmen mussten. Inwischen leuchtete der Morgenstern am wunderschönen Sternenhimmel und der "Grosse Wagen" stand prächtig vor uns. Gegen 04.30 hatten wir es geschafft: Wir waren oben! Grenzenlose Erleichterung und entspannte Erschöpfung erfüllte die Gruppe. Nun waren wir beim zweiten Highlight dieses Tages. Aus 2300 Metern Höhe beobachteten wir, wie sich am östlichen Himmel der rosarote Streifen mit Morgennebel vermischte und ein unvergleichliches Licht erzeugte. ![]() Unter uns zeichneten sich im beginnenden Tageslicht die überwältigenden Konturen der Wüstengebirgslandschaft ab. Und dann kam sie, DIE SONNE! ![]() Sie hatte es sehr eilig, denn, nachdem erst ein kleines Eckchen zu sehen war, zeigte sich innerhalb weniger Sekunden eine Sichel und dann schließlich die gesamte Scheibe. ![]() Ein Besuch auf dem HOREB (Sinai), ohne an Moses, diesen Mann Gottes zu gedenken und ohne die 10 Gebote zu erwähnen, die von dieser Stelle aus ihren Siegeszug um die Welt nahmen, ist eigentlich unmöglich. So hielt unser Pfarrer, Herr Dr. Weber, eine Bibellesung aus dem 2. Buch Moses und formulierte ein Gebet, das der Situation und dem Ort angemessen war. Sichtlich ergriffen verfolgten unsere moslemischen Bergführer die kleine Andacht, die wir mit dem Kanon "Vom Aufgang der Sonne" (zweistimmig) beendeten. Unsere zahlreichen Zuhörer waren sichtlich beeindruckt. ![]() Unser moslemischer Reiseführer Ashraf, der uns von Kairo aus nach einer sechsstündigen Busfahrt an der israelisch- ägyptischen Grenze in Taba (Nähe Eilat) am Toten Meer in Empfang genommen hatte, rollte auf dem Horeb seinen Pullover aus, beugte sich vor dem Abgrund eines hohen und steilen Felsens wiederholt nieder und betete Gott an. Dies hat wiederum uns berührt und beeindruckt. ![]() ![]() Da wir ja noch ein weiteres Programm vor uns hatten, nahmen wir den dreistündigen Abstieg in Angriff - nicht ohne einen Blick auf das ELIAS- FELD zu werfen. (Der Prophet Elias hatte in einer Zeit, in der viele Israeliten von dem Gott der Väter abwichen und sich stattdessen einer Naturreligion widmeten, in trüber Lage nach einer Stärkung durch einen Engel mit Brot und Wasser in der Kraft dieser Gottesspeise nach einem Gewaltmarsch von 40 Tagen und Nächten vom Norden Palästinas schließlich den Horeb errreicht. Hier fand er den Gott der Väter nicht in aufsehenerregenden Naturerscheinungen wie Sturm, Feuer oder Erdbeben, sondern in einem "sanften Säuseln", in der zarten Berührung durch Gottes Geist.) Geübt durch das Aufstiegstraining, lief es nun bei uns wesentlich besser! Wie "Sieger" aussehen, die ein großes Hindersnis erfolgreich überwunden haben, kann man auf beigefügtem Foto sehen. Die Morgensonne beleuchtet ihre erleichterten Gesichter. ![]() Nachdem wir uns mit den wartenden Gruppenmitgliedern vereinten, trafen wir gegen 8.00 Uhr im Hotel ein, um glücklich und erschöpft ein reichhaltiges und verdientes Frühstück zu uns zu nehmen. Zusammenfassend ist es sicherlich nicht übertrieben, von einem einmaligen und hervorragendem Erlebnis zu sprechen. Auch die tiefe, emotionale Ergriffenheit hat bei uns allen einen unvergesslichen Moment erzeugt. (wrbwkö) Nach der Rückfahrt Richtung Israel gegen 14.00 Uhr Ortszeit und den üblichen langwierigen Passkontrolen führte uns der Weg von Eilat nach Avdat. Wir ließen uns von den geologischen Phänomenen des Ramon-Kraters beeindrucken. Beim Mittagslunch in einem Kibbuz-Imbiss konnten wir uns die Produkte Milch, Käse, Eis und Wurst schmecken lassen und uns von der heutigen Wirtschaftlichkeit des Kibbuz überzeugen. Unsere temperamentvolle Reiseleiterin Verkine erklärte uns bei der Akropolis mit den Wohnhäusern aus nabatäischer und Kirchen aus byzantinischer Zeit das Leben vor 4000 Jahren. Im Wüstenkibbuz Sde Bokar konnten wir die bescheidene Hütte des ersten Ministerpräsidenten Israels, David Ben Gurion (1886-1973), und die einfache Wohnumgebung kennenlernen. Das erklärte Ziel von David Ben Gurion war es, auch nach seiner Tätigkeit als Ministerpräsident des Landes, die Negev- Wüste im Süden Palästinas fruchtbar zu machen und damit für Israel zu nutzen. Wir besuchten auch die Grabstätte Ben Gurions und die seiner Frau Paula. Viele Steinböcke verfolgten unseren Rundgang. Auf dem Gelände sind heute Unversität, Institute und Fachschulen eingerichtet. ![]() Unsere Weiterfahrt endete an diesem Tag in Jerusalem, das wir gegen 21.30 erreichten. Vier Nächte werden wir hier nun in einem Hotel im palästinenschichen Gebiet Jerusalems verbringen, von dem man die Mauer der Altstadt und den Tempelplatz mit dem Felsendom direkt sehen kann. Spannende Tage stehen uns bevor! Dienstag, 8. September 20095. Reisetag - Fahrt zum Sinai
Von EILAT geht es an die nahe gelegene aegyptisch-israelische Grenze in TABA.
![]() Unsere Reisedokumente scheinen so interessant zu sein, dass sie 4 bis 5 mal kontrolliert werden. Wir wechseln Bus, Fahrer und Guide. Letzterer erzaehlt uns, dass er jeder Gruppe einen Namen gibt. Wir duerfen auf "Habibi" hoeren, uebersetzt "Liebling" oder "Schaetzchen". So werden wir in den naechsten Stunden angeredet. Die Fahrt geht entlang des Roten Meeres in suedlicher Richtung mit Ziel Kloster St. Katharina, vorbei an einer Zitadelle aus dem 12. Jahrhundert, auf einer Insel gelegen, deren Erbauer derselbe ist wie der der Zitadelle in Kairo. Wir erfahren einiges ueber AEGYPTEN. 95 % des Landes sind Berge und Wueste, 5 % machen Niltal und -delta aus. Ohne sie gaebe es kein Aegypten: "Aegypten ist das Geschenk des Nils". Die Sinai-Halbinsel, der asiatische Teil Aegyptens, ist im Norden eben, am Mittelmeer mit Badestrand, im Sueden gebirgig. Davon koennen wir uns jetzt ueberzeugen. Eine eindrucksvolle und abwechslungsreiche Felsenlandschaft begleitet uns zu beiden Seiten der Straße, nachdem wir, vorbei an einer Oase, das Meer hinter uns gelassen haben. ![]() Ein paar schwarze Ziegen und Dromedare beleben das Bild und vereinzelt gruene Bueschel. ![]() Ein großer beschrifteter Stein heisst uns willkommen: "Welcome in Katherine City". Der Ort gilt als heilig fuer Muslime, Juden und Christen. Der Berg werde auch im Koran erwaehnt, berichtet unser muslimischer Guide Ashraf. Hier befindet sich das aelteste Kloster Aegyptens, vielleicht sogar der Welt (meint unser Guide). Im 4. Jahrhundert auf Veranlassung von Helena, der Mutter Kaiser Konstantins, erbaut an der Stelle, wo sich einst der "Brennende Dornbusch" befunden haben soll. Einst war es ein Schutzort fuer Einsiedler, spaeter bis heute Kloster, das Griechen, Russen und Aegypter beherbergt. ![]() ![]() Uns erfuellt ehrfuerchtiges Erstaunen ueber die gewaltige Pracht der griech.-orth. Kirche und die andaechtige Stille. Das Kloster besitzt grosse Schaetze in Form von vielen kostbaren Ikonen in der Kirche, der zweitwichtigsten Sammlung von Manuskripten nach der des Vatikans (sagen die Moenche) und weiteren Kunstwerken im Museum. ![]() In unmittelbarer Nachbarschaft zueinander stehen der christliche Kirchturm mit mehreren Kreuzen und das Minarett der Moschee mit Halbmondsymbol. Heute nacht ist ein Aufstieg zum Berg Horeb geplant, wo Moses die Tafeln mit den 10 Geboten empfing! Montag, 7. September 2009Jericho, Qumran, Masada und Totes Meer
Nach drei Tagen im Kibbuz NES AMMIM begannen wir uns wohl zu fuehlen und mussten nun heute leider schon wieder abreisen.
Im Bus hielten wir wieder mit Pfarrer Dr. Weber eine Morgenandacht anhand der heutigen Tageslosung und mit dem Lied Nr. 452. Wir fuhren durch die galilaeische Huegellandschaft und erreichten zunaechst den Berg TABOR, den Berg der Verklaerung. Dr. Weber wies auf den Zusammenhang von Verklaerung und Leidensankuendigung Jesu hin. ![]() Weiter gelangten wir zur EBENE JESREEL, die zu allen Zeiten ein Kriegsschauplatz war. Heute ist diese Gegend die Kornkammer Israels. Neuerdings wird hier auch Baumwolle angebaut. Auf weite Strecken fuhren wir an der Grenze zu Jordanien entlang (Gebiet der Westbank). Der BERG DER VERSUCHUNG hat uns vor Augen gefuehrt, dass Jesus es ablehnte, vom Satan die Weltherrschaft zu uebernehmen, die ihm am Ende der Zeiten durch Gottes Rat ohnehin zusteht; und das ohne den Leidensweg und die damit verbundene Erloesung der Menschen, die an ihn glauben. Wenige Kilometer weiter erreichten wir die PALMENOASE JERICHO, die sicherlich aelteste Stadt der Welt. Wir besichtigten die Ausgrabungen, die eine fuer das Altertum grosse Stadt erkennen liessen. Die Siedlungsschichten auf dem Tell Jericho reichen bis in die Zeit um 8 000 v.Chr. zurück, sind also inzwischen über 10 000 Jahre alt! ![]() In Jericho weist uns unsere Führerin auf einen Maulbeerbaum hin, der sicher dem ähnlich sieht, auf den der Zöllner Zachäus geklettert war, um Jesus besser zu sehen (Lukas 19, 1-10). Danach kamen wir zum TOTEN MEER und besichtigten als naechstes die Essener-Siedlung Qumran, die im zweiten Jh. v. Chr. gegruendet wurde. Die Essener waren eine Erneuerungsbewegung bzw. eine juedische Sekte, die ihre biblischen Schriftrollen vor einem Zugriff heidnischer Haende bewahren wollte, indem sie diese in Tontoepfen in den Hoehlen versteckte, die 1947 zufaellig entdeckt wurden. ![]() Der Hauptgewinn für die biblische Wissenschaft liegt darin, dass eine in Qumran fast vollständig gefundene Schriftenrolle mit der Botschaft des biblischen Propheten Jesaja im Wesentlichen mit den bis dahin bekannten, viel späteren Abschriften übereinstimmt. Daraus kann man folgern, dass die Bibel, von der wir keine Originalschrift haben, in ihren Abschriften durch die Jahrhunderte gut überliefert worden ist. Das Bad im Toten Meer brachte bei ca. 28 Grad Wassertemperatur nicht die ersehnte Erfrischung, war aber doch fuer uns alle ein Erlebnis der besonderen Art. Wegen unserer langen Fahrt vom Norden bis zum Süden Israels (Eilat) und vieler Besichtigungen zwischendurch konnten wir leider nur oberflaechlich und kurz mit dem Wasser des Toten Meeres Bekanntschaft machen. Nur ein Mitglied der Reisegruppe schaffte es, innerhalb der uns zur Verfuegung stehenden halben Stunde wirklich im Toten Meer zu baden. Und wirklich: Er ging nicht unter, auch ohne Schwimmbewegungen trug das extrem salzhaltige Wasser. Leider nimmt die Größe des Toten Meeres von Jahr zu ab ab, weil die Zuflussquellen See Genezareth und Jordan immer mehr für Trinkwasser, Bewaesserungen und industrielle Vorhaben genutzt werden. ![]() Als den letzten Hoehepunkt dieser Tagesreise erreichten wir die Ruine der Herodes-Festung MASSADA. Sie liegt auf einem hohen, mit fast senkrechten Abhaengen versehenen Tafelberg. Diese Festung konnten die Roemer erst nach einer dreijaehrigen Belagerung einnehmen. Um nicht in die Haende ihrer Feinde zu geraten, waehlten die Aufstaendischen den Freitod. Die Gestaltung und Bauleistung der Festung ist auch aus heutiger Sicht beeindruckend. Nach 600 km Bus- Fahrt kamen wir endlich in EILAT an. Sonntag, 6. September 2009Safed, Jordan-Quellen, Dan-Wasserfall
Morgens weckte uns eine freundliche Telefonstimme. Frisch gestärkt bestiegen wir den Kleinbus. Kirchenlieder und eine kleine Andacht stimmten uns auf den Tag ein. Unsere Reiseleiterin Verkine erzählte uns ausführlich von der Geschichte des Landes. Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die ersten Juden aus Europa und Russland nach Galiläa. Juden und Araber respektierten sich und lebten friedlich miteinander. Auch unsere Reiseleiterin hat Vorfahren, die in dieser Zeit, von Armenien kommend, auf der Flucht vor Verfolgung nach Palästina einwanderten. Verkine besitzt die Vollbürgerschaft Israels und bekennt sich zu ihrem christlichen Glauben. Die Briten verwalteten das Land, bis durch David Ben Gurion am 14.5.1948 die Unabhängigkeit ausgerufen wurde.
Unsere Fahrt führt uns zur alten jüdischen Stadt SAFED, eine der vier heiligen Städte aus der Zeit der Kabbala. Safed liegt ganz im Nordosten an der Grenze zum Libanon. Diese Stadt hat bemerkenswert kunstvoll ausgestaltete Synagogen. In keiner Synagoge darf ein Stuhl fehlen, auf dem der erwartete Prophet Elia Platz nehmen kann, wenn er zu Beginn der Heilszeit wiederkehrt, um vieles in Ordnung zu bringen, was inzwischen im Verhältnis zu Gott in Unordnung gekommen ist. Safed besitzt ein Zentrum, das jüdischen jugendlichen Immigranten, die den Zusammenhang, die Wurzeln und Traditionen des jüdischen Zusammenlebens nicht wirklich kennen, damit vertraut macht. ![]() An der Grenze zum Libanon sahen wir in herrlicher Landschaft eine entmilitarisierte Pufferzone und machten mit dem früher schneebedeckten, aber heute schneefreien majestätischen Berg Hermon im Hintergrund ein Gruppenfoto. In BANIAS besuchten wir eine von vielen Religionen nacheinander benutzte Kultstätte vor einer riesigen Felswand. Für uns Christen ist dabei von besonderem Interesse, dass Petrus hier als erster erkannt und bekannt hat, dass Jesus der von den alttesttamentlichen Phropheten Vorausgesagte, mit Gottes Geist gesalbte König der Heilszeit, also der Messias sei (Matthäus 16,13-20). ![]() Von den GOLANHÖHEN aus blickten wir über ein großes entmilitärisiertes, von den Israelis im 6-Tage Krieg erobertes ehemals syrisches Land. In ihm treiben israelische Bauern Landwirtschaft, ohne dort wohnen zu dürfen. Das Gebiet wird von Blauhelm-Soldaten der UN überwacht. ![]() Von den landschaftlichen Schönheiten des Landes sahen wir etwas bei einem der drei Quellflüsse des Jordans, Dan, im Naturschutzgebiet TEL DAN. ![]() Weiter sahen wir außergewöhnliche Ausgrabungsstätten in Gestalt einer alten Stadtfestung mit drei Torbogen und einer Opferstätte aus vorchristlicher Zeit. Vor einem 5000 Jahre alten Tor (Weltkulturerbe der UNESCO) mit ausgegrabenen Gebäuderesten stellten wir uns zu einem Gruppenbild auf. ![]() Samstag, 5. September 20092. Reisetag
Heute am 5. September 2009 beginnt unser Tag mit der Fahrt durch Unter-Galilaea Richtung NAZARETH.
Dabei fahren wir auch durch KANA, wo Jesus nach dem Evangelisten Johannes (2,1-11) sein erstes Zeichen tat, indem er bei einer Hochzeitsfeier das in sechs Krügen a` 100 Liter vorhandene Wasser für die kultische Reinigung in Wein verwandelte. Damit wollte Jesus sichtbar und schmeckbar machen, dass er die Heilszeit mit einer Fülle an Freude bringe, so wie der Kirchenvater Hieronymus einem Spötter einmal antwortete, der ihn gefragt hatte, warum Jesus denn soviel Wasser in Wein verwandelt habe: "Damit wir noch heute davon trinken können!" Das ueberwiegend von Arabern bewohnte Nazareth hat heute ca. 120 000 Einwohner, zur Zeit Jesu waren es nur 450. Wir besuchen den alten Teil der Stadt. Auf dem Wege zur Gabrielskirche am Marienbrunnen staerken wir uns mit einem Glas frisch gepressten Granatapfelsaft, den uns ein freundlicher Araber kredenzt. Die Frucht des Paradieses könnte gut ein Granatapfel gewesen sein, da es mit Sicherherheit kein Apfel deutscher Herkunft gewesen ist. ![]() Die Gabrielskirche ist eine der Verkuendigungskirchen, griech.-orthodox. Hier findet gerade ein Gottesdienst statt, auf dem Platz davor riecht es intensiv nach Weihrauch. Dennoch dürfen wir zugleich Kirche und die Krypta ansehen, wo uns noch eine alte Brunnenoeffnung einen Blick auf die einzige Quelle Nazareths gestattet. Durch einen typischen Basar gelangen wir zur VERKÜNDIGUNGSKIRCHE, die in heutiger Form erst 1969 geweiht wurde. Die fruehesten Spuren weisen in die herodianische Zeit. Hier koennte Maria gelebt haben, denn schon im 2. Jahrhundert unterhielten die Judenchristen an dieser Stelle eine Kultstaette. In einem ueberdachten Gang vor der Kirche besichtigen wir eine grosse Anzahl mosaikartiger Kunstwerke verschiedener Nationen. Eindrucksvoll 2 Eingangstueren mit Darstellungen des Alten und Neuen Testamentes: Schoepfungsgeschichte bis zur Opferung Isaaks, die durch Gottes Eingreifen verhindert wird - von der Verkuendigung bis zur Kreuzigung, bei der Gott seinen Sohn opfert. ![]() ![]() Nach einem Blick in die Josefskirche, die der Tradition nach an der Stelle steht, an der Josef sein Wohnhaus und seine Werkstatt hatte, geht die Fahrt durch KANA an den See Genezareth, wo wir eine Bootsfahrt miterleben. Die Geschichte von der Sturmstillung darf dabei nicht fehlen. In KAPERNAUM sehen wir die Reste der alten Synagoge und des Wohnhauses von Petrus, darueber heute eine Franziskanerkirche, dazwischen Ausgrabungen des alten Dorfes. Weiter geht es auf den BERG DER SELIGPREISUNGEN mit der gleichnamigen Kirche. Ein schoener Spaziergang, vorbei an Bananenplantagen, fuehrt uns bergab zu unserem Bus. Ein ereignisreicher Tag geht zu Ende. ![]()
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