Donnerstag, der 23. Mai 2013
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Pfr. Mark Meinhard
über: Römer 10, 11

Hiltpoltstein (bei Nürnberg), am 19.03.2011
Beerdigung/Trauerfeier

Liebe Familien Xxx und Xxx, liebe Angehörige von Frau Xxx, liebe Trauergemeinde!

Vergangenen Dienstag ist unsere Schwester in Christo Xxx vor ihren Schöpfer gerufen worden. Sie verstarb im hohen Alter von 90 Jahren im Krankenhaus in Lauf. Die letzten Jahre hatte sie immer wieder mit gesundheitlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, auch deshalb lebte sie seit ca. 2 Jahren in einem Seniorenheim, und sie wusste, dass das Sterben kommen würde. Es kann uns ein erster Trost heute sein: sie war darauf vorbereitet. Und das nicht nur von den äußeren Dingen her, die geregelt werden mussten, sondern auch von der inneren Einstellung im Glauben. Den Spruch für Ihre Traueranzeige legte sie noch selbst fest: "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!" Im Vertrauen auf diese Stärke im Glauben stelle ich das Gedenken an unsere Schwester in Christo unter ein Wort der Schrift, welches zugleich ihr Konfirmationsspruch aus dem Jahre 1934 gewesen ist.

Wir lesen es im Brief des Paulus an die Römer im zehnten Kapitel, den Vers 11:

"Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden."

Es ist ein schönes Wort, auf welches unsere Schwester in Christo hin ihren Glauben bekräftigt hat, denn es öffnet den Blick über unsere Welt hier hinaus und reicht schon hinüber in jene Schöpfung, die uns Gott am Ende der Zeit zugesagt hat. Ein Bereich ohne Leid und Schmerz, ohne Tod und Kummer. Ein Bereich der ständigen Nähe zu Gott und der Freude am befreiten Miteinander. Dies alles wird unsere Schwester in Christo nun erfahren können:

"Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden."

Geboren am xxx hat Frau Xxx ja alle Wirren des zweiten Weltkrieges als junger Mensch miterleben müssen, auch den Einsatz und die spätere Gefangenschaft ihres Mannes Xxx, welchen sie 1942 geheiratet hatte. Möglicherweise hat ihr Glaube ihr auch geholfen, sie durch diese Zeit zu tragen. Nach dem Krieg begann ein neues Leben, der Umzug nach Bernhof und die Übernahme und Wiedereröffnung der Gaststätte zum Bären standen an. Und das mit zwei kleinen Söhnen, '44 und '48 geboren. In diesem Leben aber ging sie auf, als leidenschaftliche Köchin und Bäckerin. Bis Mitte der 70`er Jahre war die Gaststätte v.a. am Wochenende und am Sonntag ein äußerst beliebtes Ziel für Wanderer und andere Ausflügler, die das gute Essen und die Gastfreundschaft zu schätzen wussten.

Wer sich an unsere Schwester in Christo aus dieser Zeit noch erinnert, mag auch dieses Bild vor Augen haben: "sehr exakt, alles musste perfekt sein – und wenn die Gäste noch so hungrig waren, eine Sauce, die in ihren Augen noch nicht optimal war, wurde nicht serviert". Darin, so habe ich es gehört, ist unsere Schwester in Christo mit Leib und Seele aufgegangen. Eine Gesellschaft, für die sie kochen konnte, wie später auch für die Mitarbeiter des Mannes der Enkeltochter, solange diese noch zu Hause waren. Dies und ihre Leidenschaft für den Garten mit Gemüse und Blumen und ihre Tiere – immerhin war die ganze Zeit auch parallel noch eine kleine Landwirtschaft zu führen. Vielleicht hat noch jemand anlässlich der Kirchweih St. Helena auch ihre Küchle und den Kuchen noch im Gedächtnis.

"Wer an Gott glaubt, wird nicht zuschanden werden."

Ich bin mir gewiss, wenn jemand in solchem Glauben und Vertrauen sein Leben gestaltet, dann hat er eine Freiheit für das Diesseits, wie es viele andere nicht finden werden. Sich einzubringen mit aller Kraft und Hingabe für die Aufgabe, in welche man in diesem Leben gestellt ist, darf eine Folge aus solcher Glaubensgewissheit sein. Drei Enkel und sechs Urenkel hat unsere Schwester in Christo noch erleben dürfen und sie hat sich darüber gefreut. Der Urenkelin im eigenen Haus hat sie noch das Plätzchenbacken beigebracht und trotz aller Anstrengung war es ihr ein Anliegen, diese noch auf ihrer Konfirmation zu begleiten. Denn die letzten zehn Jahre sind ihr schwerer gefallen. Der Tod ihres Mannes im Jahre 2000, welchen sie noch gepflegt hat, schließlich die Notwendigkeit ihrer eigenen Pflege und die Entscheidung nach diversen Krankenhäusern für einen Pflegeort außerhalb.

Aber sie hatte sich dort eingelebt und eingebracht, das Laufen ging wieder besser und neue Kontakte hat sie geknüpft, die ihr Freude machten. Gleichzeitig wusste sie für sich: "den 90. feiern wir noch, den 91. nimmer mehr". So hat sie sich verabschiedet: sie wünschte den ihren "alles Gute!"

Es sind schöne Bilder, die die Angehörigen im Herzen tragen dürfen. Das ist unser zweiter Trost, dass wir unsere Schwester in Christo so ziehen lassen dürfen – mit einem Frieden im Herzen. Und sie bei Gott behütet glauben dürfen:

"Wer an Gott glaubt, wird nicht zuschanden werden."

Grab und Grabstein, von welchem wir herkommen, ist nur für uns – ein Ort der Sammlung und Erinnerung, unsere Schwester in Christo finden wir dort nicht mehr, sie ist uns vorausgegangen in eine Herrlichkeit, auf die wir hier noch hoffen.

Und so bleibt es, die Angehörigen zu trösten, soweit wir es selbst vermögen, am besten durch ein lebendiges Beispiel der Kraft, auf welche unsere Schwester in Christo, Xxx, selbst vertraut hat:

"Wer an Gott glaubt, wird nicht zuschanden werden."

Und der Friede Gottes, der weiter reicht, als wir es uns vorstellen mögen, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

© Mark Meinhard 2011
http://www.hiltpoltstein-evangelisch.de/

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