Samstag, der 25. Mai 2013
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Pfr. Mark Meinhard
über: Jeremia 15, 16

Hiltpoltstein (bei Nürnberg), am 08.04.2012 (Matthäuskirche)
Osternacht

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen. Wir beten in der Stille um den Segen des Wortes.

Amen.

Liebe Gemeinde,
das Licht, auf welches wir im Leben vertrauen, ist sinnbildlich wieder bei uns eingezogen. Eingezogen in unsere schöne Kirche hier, eingezogen aber auch in unsere Herzen, damit wir getröstet sein können in unserem Leben: Gott ist mit uns – er wird uns nicht fallen lassen.

Immer wieder kreisen wir in unserem Leben um diese zwei Erfahrungen: Zum einen, dass uns vieles entgleitet, bzw. dass wir vieles nicht in der Hand haben. Manche Dinge "widerfahren" uns einfach. Krankheit zum Beispiel, Unfall, Gefahr, um die äußeren Verletzungen zu nennen. Aber auch innere Verletzungen geschehen so an uns: Enttäuschung, Störung in der Beziehung, Traurigkeit und das Gefühl von Hilflosigkeit. Wenn Sie so wollen, liebe Gemeinde, dann ist das die "dunkle" Seite. Die Seite, die wir gerade erlebt haben im Dunkel der Nacht. Im Kirchenjahr am tiefsten Punkt an Karfreitag.

Zum anderen aber gibt es ja auch die Erfahrungen des geglückten Lebens. Alles, was gelungen ist: Äußerer Erfolg, Gesundheit. Aber auch im Inneren: Zufriedenheit, Glück, gelungene Beziehungen. Das ist die Seite des Lichtes, dem wir Christen freilich einen Namen geben. Wir bekennen im Licht dieser gelungenen Lebenserfahrungen Gott unseren Herrn und wir danken ihm in diesem Licht für das neue Leben, das er uns schenkt.

In dieser Sicht des Menschen unterscheiden sich die Christen von anderen Glaubenshaltungen. Die Christen bekennen den Menschen als einen in sich so zerrissenen Menschen mit eben jenen zwei Anteilen, wenn Sie so wollen. Das Dunkle und das Licht. Beides gleichzeitig, ein Leben lang. Deswegen lebt auch das Böse in mir – meinen dunklen Anteil werde ich nicht vollständig los, solange ich lebe. Aber es gibt auch das Neue in mir: Den Mut zu jenem Reich Gottes, in welchem andere Gesetze gelten sollen. Liebe statt Hass. Vergebung statt Vergeltung. Leben statt Tod.

Wir feiern Gottesdienste, um uns daran erinnern zu lassen, dass wir einen Weg gehen im Leben. Einen Weg, der in der Summe von diesem Dunkeln wegführt, hin zu diesem Licht. Einen Weg übrigens, der nicht endet mit dem Leben in dieser Welt, sondern der weiter führt, hinüber in jene neue Welt, die sich die Christen in einem Hoffnungsbild vor Augen malen: Das neue Jerusalem ohne Schmerzen, ohne Leid – in vollem Lichte Gottes.

Wie können wir uns aber dessen vergewissern, dass wir diesen Weg gehen? Ja noch mehr, dass wir überhaupt diese tröstende Zusage haben, dass das Licht Gottes auf uns wartet?

Es gibt diese Vergewisserung nur durch das Wort, das mir jemand zusagt. Ich kann es mir nicht selber sagen, sondern ich brauche jemanden aus meiner Gemeinschaft, der mir dies auf den Kopf hin zusagt, mich hinweist auf jenes Hoffnungswort. Wir finden diese Wort in der Heiligen Schrift und die Buchstaben dort werden für uns lebendig, wenn wir bereit sind, sie auf unser Leben zu beziehen. Wir finden dieses Wort in Christus Jesus als ein lebendiges Wort in seinem Leben und Handeln – Christus ist für uns das Antlitz Gottes. Dort können wir erkennen, was das Licht für uns bedeutet.

Und wir haben dieses Wort in den zwei Sakramenten für uns zur Vergewisserung festgehalten bekommen. In einer Zusage Gottes also, die ein Mensch nicht brechen kann. Deswegen halten wir sie so hoch, weil sie von unserer Seite aus nicht mehr zerstört werden können und daher so beständig sind, wie sonst kaum etwas in dieser Welt.

Beide Sakramente feiern wir in diesem Gottesdienst. Und hier wiederum nicht, weil sie aus sich heraus – quasi durch die Dinge und damit magisch – wirken würden, sondern weil sie an das Wort Gottes geknüpft sind.

Xxx ist soeben getauft worden. Ihr Taufspruch findet sich im Buche des Propheten Jeremia im 15. Kapitel aus dem 16. Vers. Dort lesen wir:

"Dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, HERR, Gott Zebaoth."

Nicht das Wasser, liebe Gemeinde, macht die Taufe von Xxx aus, sondern das Wort, das dabei gesagt wird. Das Wasser trägt nur im Bilde das Geschehen dieses Wortes weiter: Im Wasser kann man sich reinigen; Wasser dient elementar zum Leben; Wasser kann aber auch den Tod bringen. Deswegen das Wasser und kein anderes Material. Aber das Wort kommt hinzu und spricht zu Xxx, wie zu uns: "Du bist getauft auf den Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!" Zu diesem Namen wird sie nun in Zukunft zugeordnet sein. "Ich bin ja nach deinen Namen genannt, HERR, Gott, Zebaoth!", sagt Jeremia. Diese Zuordnung: "Xxx Xxx, Christin" stellt sie, so wie alle Getauften, in diesen Machtbereich Christi, in diese Hoffnungszusage, in dieses Licht, auf das wir alle zugehen. Sie macht Xxx noch nicht leuchten, genauso wenig wie uns alle.

Aber sie spricht ihr zu, dass das Dunkel keine Macht mehr über sie haben soll. Sie spricht uns allen zu, dass wir diesen Weg vom Dunkel ins Licht weiter gehen werden können. Dass Gott es ist, der uns entgegen geht aus diesem Licht und uns die Hand reicht, dass wir nicht fallen können.

Unser Leben freilich wird weiterhin – auch nach einer Taufe – von all dem bedrängt sein, was wir vorhin dem Dunklen zugeordnet haben. Wir alle werden dies weiterhin erfahren und weiterhin damit zu kämpfen haben. Das unterscheidet uns nicht vom Rest der Welt. Aber wir haben ein Wort Gottes in unserem Herzen, wenn wir uns darauf einlassen. Ein Wort der Hoffnung, der Gnade, der Liebe. Ein Wort, das uns zuspricht mehr sein zu können und zu dürfen, als wir es jetzt sehen und spüren. Ein Wort der Wegweisung, der Richtungsangabe. Ein Wort, welches im tiefsten Dunkel der Nacht wie ein Licht wirken kann, weil es angibt, wo das wahre Licht leuchten wird.

Wenn wir als Christen sagen, wir glauben diesem Gott, dem Vater Jesu Christi, dann meinen wir in der Hauptsache: Wir vertrauen diesem Gott. Wir vertrauen diesem Wort, dieser Zusage. Wir sind also gewiss, dass das, was uns hier gesagt wird, einen Wert in der Wirklichkeit besitzt. Wenn durch Gott gesagt wird, dass wir seine geliebten Geschöpfe sind und wir vertrauen diesem Wort, dann müssen wir uns nicht aufgeben, auch wenn wir mit Krankheit zu kämpfen haben, auch wenn in der Schule nicht alles so läuft, wie es wünschenswert wäre, auch wenn wir manches nicht so gut können wie andere oder wir nicht so toll aussehen, wie die Modells im Fernsehen. Dieser Wert, den wir haben, diese Würde – sie ist von Gott her bestimmt und uns zugesagt. Wir vertrauen dieser Zusage, wir glauben diesem Wort. Und das, liebe Gemeinde, das kann uns dann wirklich verändern.

Wer sich selbst so als Mensch mit Wert und Würde begreifen darf, der kann wohl anderen Menschen auch besser begegnen und in ihnen Wert und Würde fassen. So kann sich das Reich Gottes ausbreiten, so kann es lichter werden in der Welt.

"Dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, HERR, Gott Zebaoth."

Christentum, liebe Xxx und liebe Gemeinde, ist daher niemals ein Triumphgeschrei oder Siegesgebrüll, sondern ein stiller und leiser Weg. Ein Wachsen im Kleinen und im Verborgenen. Ein Weg der Gemeinschaft und des aufeinander-Hörens und nicht der "schlagenden Argumente". Wir halten ein kleines Licht in Händen, welches wir vorhin angezündet haben an der Osterkerze. Wiederum ein Bild für unser Dasein: Ein kleines Licht, keine Flammenbrunst, sondern ein schwaches und zartes Aufbegehren gegen die Dunkelheit. Leicht kann diese zarte Flamme ausgepustet werden. Dann brauchen wir einen, der sie uns wieder entzündet, damit wir aufs Neue zu diesem Worte kommen können, von dem Xxxs Taufspruch redet: Das Wort, welches das Herz erfreut und Trost spendet.

Wir werden nachher gemeinsam das Mahl des Herrn feiern und vortreten an den Altar. Wir tun dies, um uns dieser Zusage, die Xxx gerade erfahren hat, zu vergewissern. Wir schmecken Gottes Wort in Brot und Wein. Wir sagen Leib und Blut, um uns klarzumachen, dass Christi Tod am Kreuz direkt mit uns zu tun hat und dass in seinem Blut – dem Stoff, worin nach Vorstellung des Alten Testaments das Leben wohnt – dass in und mit seinem Blut dieser Bund mit Gott neu geschlossen worden ist und wir seine Kinder heißen dürfen. Wer zweifelt und traurig ist – wer unsicher und zerrissen sich fühlt – wer das Wort der Zusage unseres Gottes nicht mehr klar vor Augen hat, der sei in besonderem Maße eingeladen an diesen Tisch des Herrn, um sich neu sagen zu lassen: "Der Herr ist bei euch!"

"Dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, HERR, Gott Zebaoth."

Möge uns allen dies Vertrauen heute neu geschenkt werden.

Und der Friede Gottes, der weiter reicht, als wir es fassen mögen, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

© Mark Meinhard 2012
http://www.hiltpoltstein-evangelisch.de/

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