Sonntag, der 26. Mai 2013
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Pfr. Mark Meinhard
über: Jesaja 41, 10-0

Marktheidenfeld (bei Würzburg), am 21.05.2005
Taufe

Bibeltexte:
Jesaja 41, 10
Psalm 91, 11

Liebe Taufgemeinde,
hören wir zunächst den Taufspruch von Xxx aus dem 91. Psalm, den Vers 11: "Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen." Gott ist derjenige, der hier den Auftrag zur Behütung und Bewahrung erteilt. Dies, liebe Gemeinde, ist der Hauptgrund unserer Taufpraxis. Wir taufen, weil wir Gott auch in diesem Punkt vertrauen. Er ist der Gott des Lebens, er ist ein gnädiger und barmherziger Gott und er sucht unsere Nähe, will unsere Antwort und verspricht uns seinen Schutz und seine Bewahrung. Die Taufe zeigt diesen Bund Gottes mit den Menschen. In der Taufe werden unsere Täuflinge eingetragen in diesen Bund, sie werden mit hinein genommen in diese Schutzgemeinschaft, die Gott selber anbietet. Natürlich entlässt uns Gott aber nicht aus diesem Leben hier, sondern wir haben die Freiheit, hier auf Erden mit all unseren Begabungen und mit unseren Schwächen zu leben und zu arbeiten.

Wir dürfen alle Freuden dieses Lebens mit Genuss auskosten, wir sind aber auch allen Gefahren weiterhin ausgeliefert. Gottes Schutz ist also keine Versicherung, dass uns hier auf Erden nicht zustoßen wird. Diese Versicherung kann übrigens niemand geben. Wenn das so wäre, wären wir nicht mehr frei, sondern wir wären wie Kinder, die angeleint in ihrem Gitterbett den Tag verbringen müssten, damit sie sich ja nirgends den Kopf stoßen oder ihnen sonst etwas widerfährt. Es liegt in der Freiheit des Menschen verborgen, dass er sein ganzes Leben lang Gefahren ausgeliefert ist und ihn niemand vor diesen Gefahren bewahren oder beschützen kann. Und dennoch bietet Gott einen Bund an, in dem wir solche Worte wie aus dem Taufspruch von Xxx lesen. Also muss es um eine andere Bewahrung gehen, eine Bewahrung, die sich nicht vordergründig festmachen lässt an Krankheit oder Leid oder Missgeschick in dieser Welt.

Es geht hierbei, liebe Gemeinde, um die Bewahrung zum ewigen Leben. Ein hohes Wort: ewiges Leben. Es meint in bildhafter Sprache das Leben bei Gott. Es meint die Überwindung dieser Welt und ihrer Fehler. Es meint die Garantie, dass ein Leben nicht nutzlos oder sinnlos ist, sondern dass das Leben unser beiden Täuflinge von heute erinnerungswürdig ist und dass es jemanden gibt, der seinen Namen dafür einsetzt, dass Xxx und Xxx in dieses Buch des Lebens geschrieben werden und daraus nicht mehr gelöscht werden können. Beide Tauffamilien, liebe Gemeinde, haben in ihrem Leben bisher schon das Leid und die Schmerzen kennen gelernt. In beiden Familien haben sich schon Krankheit und Schwäche einen großen Raum erobert und zeitweilig das Leben bestimmt. Wir wissen nicht, liebe Gemeinde, wie das Leben weitergeht.

Wir wissen es nicht im Blick auf unsere Familien, wir wissen es aber auch nicht ganz speziell im Blick auch unsere beiden Täuflinge von heute. Ich meine: es ist gut, dass wir es nicht wissen und die Zukunft vorhersagen können für diesen beiden Kinder. Sie kennen alle die Fragen, die auftauchen werden: werden sie gesund bleiben, werden sie genügen Geld zum Leben haben, werden sie glücklich und zufrieden werden können, werden sie eine gute Ausbildung erhalten und ihren Platz im Leben finden?

Unzählige andere Fragen könnten wir noch anhängen, aber dennoch stehen wir heute hier, wie zum Trotz gegen diese Fragen und sind bereit, ein Stück dieser Verantwortung, die scheinbar auf uns lastet wieder abzugeben an den eigentlichen Herrn über Leben und Tod: wir vertrauen Gott darin, dass er seine Hand weiter über diese Täufling legt und sie begleitet auf ihrem Lebensweg und, liebe Gemeinde, dass er gerade auch dort ist, wo wir scheinbar nicht mehr weiter wissen. Dann ist es gut, sich an die Taufe und diesen unzerbrechlichen Bund zu erinnern und sagen zu können: Ja, lieber Gott, diese Leben liegen in deiner Hand und du wirst für sie sorgen.

Der Taufspruch von Xxx nimmt dies in ganz eigener Weise auf. Wir lesen ihn bei Jesaja 41, 10: "Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit." Du brauchst dich also in diesem Leben nicht zu fürchten, weil alles, was eigentlich Angst machen könnte: die Sünde, der Tod als das letzte Wort, bereits von Gott besiegt und beseitigt worden ist. Es gibt nichts mehr, was den Menschen endgültig schaden könnte, denn Gott hat diese Schranken überwunden und uns versprochen: ich halte dich in meiner Hand, so lange du auf Erden lebst und sogar darüber hinaus. Denn du kannst niemals mehr tiefer fallen als in meine Hand. Daraus, liebe Gemeinde ziehen wir die Stärke für unser Leben.

Und wir hoffen, dass auch unsere Täuflinge so erzogen werden können, dass sie fähig werden, diese Stärke, die ihnen ja heute schon versprochen ist, auch für ihr eigenes Leben zu entdecken. Diese Stärke, liebe Gemeinde, ist eine Stärke des Geistes, der kräftiger ist als der Leib, der zu uns gehört. Diese Stärke kann Sie alle tragen in ihrem Leben. Diese Stärke kann Ihnen helfen bei den wichtigen Entscheidungen, die Sie treffen müssen. Aber diese Stärke wird Sie auch tragen in den Situationen, in denen Sie selbst keinen Ausweg mehr sehen können. Wer hier auf Gott sein Vertrauen setzen kann - und nichts anderes heißt ja: an Gott glauben - der wird es erfahren, dass sein Leben ganz und gar aufgehoben und gehalten ist in dieser einzigartigen Macht. Wir wünschen dies auch unseren Täuflingen, dass sie den Zugang dazu finden mögen, diese Kraft in ihrem eigenen Leben zu entdecken und zu gebrauchen.

Aber selbst wenn sie sich später einmal gegen die Kirche und ihre Lehren entscheiden sollten, der Bund, der heute mit ihnen in der Taufe geschlossen wird, wenn Xxx und Xxx ihre Namen mit dem Namen Gottes verbinden und so zu Gottes eigenen Kindern werden - dieser Bund wird von Gott immer gehalten werden, egal wie deutlich die Antwort der beiden später sein wird. Gottes Gerechtigkeit, so sagt es der Taufspruch von Xxx ist es, der die beiden halten wird. Gottes Gerechtigkeit, die die Menschen gerecht werden lässt und es ihnen so ermöglicht, zu Gott zu finden. Wir beten darum, dass diese Gerechtigkeit auch in den beiden Leben von Xxx und Xxx zu finden sein wird, wenn sie etwas von der Gabe, die sie heute empfangen haben, in ihre Welt zurückgeben. Gerechtigkeit, auf Deutsch in etwa mit Gemeinschaftstreue übersetzt gibt davon etwas an.

Wer heute diesen Bund mit Gott erfahren kann und begreifen kann, was mit diesen Kindern geschieht, der wird auf befreit sein für sein eigenes Leben und aus dieser Fülle etwas einbringen können für seine Umwelt in Gerechtigkeit, Solidarität und sozialer Verantwortung. Für unsere beiden Täuflinge kann ich mir nichts besseres wünschen: dass sie einst erfahren und verstehen mögen, wie der Bund Gottes auch ihnen direkt und ganz persönlich gilt, aus welcher Kraft sie ihr Leben mit dieser Zusage Gottes gestalten können und wie diese Kraft es ihnen ermöglichen kann, auch für ihre eigene Welt ein Stück weit Gerechtigkeit zu aktualisieren.

Gottes Engel begleiten euch auf euren Wegen und alle Furcht kann weichen, denn Gottes Hand ist über euch!

Amen.

© Mark Meinhard 2005
http://www.hiltpoltstein-evangelisch.de/

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