Dienstag, der 18. Juni 2013
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Pfr. Mark Meinhard
über: Hebräer 6, 18-19

Hiltpoltstein (bei Nürnberg), am 16.03.2008 (Matthäuskirche)
Konfirmation/Kommunion

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen. Wir beten in der Stille um den Segen des Wortes.

Amen.

Liebe Gemeinde,
und heute ganz besonders und vor allem: liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden.

Ihr habt euch vielleicht schon gefragt, was dieser Anker, den ihr als Bild auf eurem Gottesdienstblatt vorfindet, zu bedeuten hat. Immerhin wohnen wir ja in einer Gegend, in der die Schifffahrt nicht allzu häufig ist. Es ist nicht mehr und nicht weniger als die bildliche Unterstützung unseres Predigtwortes für den heutigen Festtag. Ihr findet es direkt unter dem Bild, aus dem Hebräerbrief im sechsten Kapitel, aus den Versen 18 und 19. Wir lesen:

"Wir halten fest an der angebotenen Hoffnung, die wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele haben."

Fest-halten, sich be-stärken, einen festen Grund sein Eigen nennen. Darum geht es bei der Konfirmation. So sind diese Verse fast so etwas wie das Motto des heutigen Tages. Ihr bekräftigt das, was eure Paten und Eltern bei der Taufe für euch getan haben: Nämlich sich Gottes Wort anzuvertrauen, ihm Glauben schenken. Taufe und Konfirmation gehören deshalb in unserer Kirche zusammen, auch wenn in der Regel diese fast 14 Jahre dazwischen liegen. Konfirmandenunterricht ist also nichts anderes als nachgeholter Taufunterricht. Und was passiert diese zwei Jahre im Unterricht? Nichts anderes, als was unser Predigtwort so schön im Bild beschreibt. Ihr bekommt eine Hoffnung angeboten. Eine Hoffnung für dieses Leben und für das Leben darüber hinaus. Hoffnung anbieten kann nur derjenige, der selbst eine Hoffnung hat.

Deswegen ist der Pfarrer von der Gemeinde damit beauftragt worden, euch von dieser Hoffnung zu erzählen. Zu erzählen, was den Glauben an Gott, das Vertrauen auf ihn, ausmacht. Aber auch, was es inhaltlich bedeutet, diesen Gott in Jesus von Nazareth und dem Heiligen Geist zu denken. Eine angebotene Hoffung ist es, weil es keiner machen kann, dass ihr glaubt. Mit noch so viel Druck und Ermahnungen wird es niemand schaffen, euch zum Glauben zu zwingen. Es ist ein Angebot und wir tun nicht weniger, als es unser Auftrag ist: nämlich zu taufen und zu lehren. Wir hoffen aber, dass Gott selbst es ist, der in euch den Funken entzünden wird und euch den Glauben schenkt. Mal ganz nebenbei gesagt, es wäre ja auch schlimm, wenn ich dies Unterfangen bewerten müsste. Wer könnte mir schon helfen und sagen, ob das von euch Gelernte nun auch wirklich ausreicht, um konfirmiert zu werden?

Der Vorteil hier an dieser Kanzel ist, dass ich kaum jemanden von euch jetzt anschauen kann, aber im Geiste fiele mir doch so der eine oder der andere ein, der seine Sachen ein wenig ordentlicher hätte lernen können... Immerhin war die Kreativität, sich tolle Ausreden einfallen zu lassen, warum es gerade heute nicht ging, auch schon recht beachtlich... Nein, aber im Ernst: wenn Gottes Geist in euch den Glauben entfacht, dann habt ihr das Handwerkszeug an die Hand bekommen, diesen zu deuten, ihn zu gestalten, mit ihm zu leben. Und dann erst wird diese Hoffnung gerade in diesem Leben zu dem werden, was das Bibelwort für heute besagt: Nämlich zu einem sicheren und festen Anker. So viel verstehen wir alle von Schiffen, dass wir uns einen Anker in Aktion vorstellen können.

Er hilft in zweierlei Hinsicht: Wenn die See zu stürmisch wird und wir drohen davon zu treiben, dann hält uns der Anker am Grund fest. Wollen wir hoffen, dass euch die schlimmsten Leidsituationen in eurem Leben erspart bleiben, aber sollten sie dennoch eintreten, dann kann diese Hoffnung auf Christus Jesus solch ein Anker sein. Ein Anker, der euch hilft, nicht den Grund zu verlieren. Ein Anker, der darauf achtet, dass ihr nicht verloren geht im Sturm des Lebens. Aber es gilt auch anders herum. Ein Anker hilft auch, dass wir nicht abheben, zu schnell Fahrt aufnehmen. In den Momenten des Lebens, wo ihr am glücklichsten, am erfolgreichsten, am stärksten seid, auch da ist es gut, einen Anker zu haben. Wiederum ein Anker, der euch den Grund weist, von dem ihr herkommt und abhängt.

Damit man sich nicht in sich selber verliert und nur noch an seine eigenen Leistungen und Fähigkeiten zu glauben bereit ist. Vielleicht ist sogar, liebe Gemeinde, dieser Einsatz des Ankers in unserem Teil der Welt zurzeit viel wichtiger geworden – dort, wo wir bereit sind, uns permanent selbst zu überschätzen und abzuheben in dem wahnhaften Glauben an uns selbst.

Auf dem Bild könnt ihr sehen, dass der Anker nicht ausgeworfen ist, sondern sich das Schiff in voller Fahrt befindet. So begleitet euch euer Glaube durch die Welt. Er hindert nicht an der vollen Fahrt und vergällt dem Seefahrer nicht das Erleben des Schönen, wenn er unterwegs ist, sondern er ist einfach da, immer bereit, in den Fällen, in denen er verstärkt gebraucht wird, diese Verbindung zum Grund wieder herzustellen.

Zwei Jahren waren wir jetzt beieinander. Zwei Jahre, in denen viel passiert ist und ich euch sehr gerne begleitet habe. Ihr habt euch entwickelt, nicht nur an der Kleidergröße gemessen, sondern auch geistig. Ihr seid gewachsen in dem und an dem, was auch wir miteinander verhandelt haben. Ihr tretet deswegen heute als vollwertige Mitglieder in dieser Gemeinde auf. Ein äußeres Zeichen dafür ist die erste Teilnahme am Heiligen Abendmahl, das ihr zusammen in eurer Runde als Erste der Gemeinde heute empfangen werdet.

Ich habe euch schätzen gelernt und bin froh, dass ihr zu dieser Gemeinde gehört. Vielleicht darf ich heute sogar ein paar Details preisgeben von dem, was auch ihr mich gelehrt habt. Ich habe die Lebenslustige in euch entdeckt, mit Witz und Engagement, mit viel Spaß an der Sache seid ihr dabei gewesen. Ihr fragt euch, was das heißen soll? Vielleicht sollte ich erwähnen, dass "die Lebenslustige" die Übersetzung eines arabischen Namens ist. Er lautet: "Aischa". Und noch eine Namensherleitung möchte ich heute preisgeben: "aig" bedeutet im Althochdeutschen so viel wie "sich schnell bewegen". Auch das habe ich kennengelernt – wie schnell sich, v.a.: Münder (zumindest bei manchen) bewegen können. Ach ja, fast hätte ich es vergessen: von "aig" kommt das heutige Wort "Eichhörnchen" her – ihr kennt es bestimmt.

Auch die Freizeiten waren sehr schön mit euch, besonders eure Musikalität hat mich gefreut: Liebe Gemeinde, sie hätten sehen sollen, in welche Freudenschreie unsere Jugendlichen ausgebrochen sind, als sie diesen Ton vernommen haben. (Glocke)

Zwei Jahren waren wir jetzt beisammen – ich sehe es an den Protokollen zum Gottesdienst, die ihr abgegeben hat: über 1200 Zettel habe ich so gesammelt, zum Teil mit euch besprochen und habe daraus einen kleinen Einblick bekommen, was für euch wichtig war und was ihr verstanden habt. Ein paar highlights darf ich heute vorstellen (natürlich ohne Namen!): einer von euch gibt mir einen grünen Zettel ab, schreibt darauf mit grünem Stift und ganz darunter dann: "wenn sie das nicht lesen können, schreibe ich es in einer anderen Farbe". Eine andere schreibt zur Predigt: "irgendwie schön und lehrreich, aber doch langweilig". In den Zusammenhang gehört auch folgendes: "Mir ist heute besonders aufgefallen: dass Herr Meinhard bei der Predigt gedichtet hat" – dann aber folgt: "Heute fand ich nicht so schön:" "die Predigt."

Ich habe an den Zetteln gesehen, wie ihr euch mit den Dingen auseinander gesetzt habt. Nicht alles davon trägt unbedingt zum Erkenntnisgewinn bei, aber es hat euch geholfen, eure eigene Meinung zu formen. Ich glaube, dass das heutzutage mit das wichtigste in Glaubensdingen ist: einen eigenen, persönlichen Bezug zu diesem Anker der Hoffnung zu bekommen, von welchem wir heute reden. So schreibt eine andere unter "Heute fand ich schön": "die Atmosphäre im Gottesdienst", auf einem anderen Zettel les ich: "ich mag Adventsgottesdienste". Immerhin fällt es inzwischen auf, dass (Zitat:) "Die Glocken heute falsch geläutet haben" oder auch, dass andere Pfarrer den Gottesdienst ganz anders halten. Bei manch einem von euch spüre ich diesen persönlichen Bezug bereits und ich bin froh darüber.

Liebe Gemeinde,
die Konfirmanden gehören nun vollständig zu dieser Gemeinde, achtet die Meinung dieser jungen Menschen. Eine Konfirmandin schreibt über einen Kollegen, der zur Vertretung hier war: "Der Pfarrer xy hat einen guten Gottesdienst gehalten." Eine andere schreibt unter "Welcher Gedanke hat dich am meisten beeindruckt": "Jesus ist gestorben, um uns von den Sünden freizumachen. Damit wir nicht sterben, sondern bei Gott bleiben dürfen. So ist der Tod gestorben. Der Teufel ist schon besiegt, durch Jesus Christus."

Ich wünsche uns allen, liebe Gemeinde, dass diese Erkenntnis Wohnung nimmt in unseren Herzen. Ich wünsche vor allem euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass die Hoffnung, die Gott euch schenken will zu diesem festen Anker in euer Seele wird, damit ihr euren Weg im Leben gehen könnt mit der Gewissheit: Gott ist mir in Liebe zugetan.

Und der Friede Gottes, der stärker ist als es jeder menschliche Anker sein kann, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

© Mark Meinhard 2008
http://www.hiltpoltstein-evangelisch.de/

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